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Bauprojekte

Brauchen wir einen Lebensmittelgroßmarkt in der Neustadt?

Es ist zum Thema schon viel gesagt und geschrieben worden, aber der Bericht der Sächsischen Zeitung vom 21.05.2010 über die Beratungen des Bauausschusses betreffend Hochhaus Albertplatz und Postgelände an der Königsbrücker gibt mir Anlaß zu folgenden Anmerkungen:

Die Ansiedlung eines zusätzlichen großen Einkaufsmarktes auf dem Postgelände oder am Hochhaus am Albertplatz gefährdet die im Stadtteil bereits vorhandenen Angebote. Nach dem SZ-Bericht könnte am Albertplatz "nach Vorstellungen der Dresden-Bau ein Kaufland mit begrünter Fassade" entstehen. Ein "Kaufland"-Markt beinhaltet in der Regel ganz überwiegend ein Lebensmittelangebot und daneben noch das qualitativ durchaus beschränkte Angebot weiterer Artikel wie Schreibwaren, Spielzeug, Autozubehör, Unterhaltungselektronik.

Durch die Ansiedlung eines weiteren grossen Lebensmittelmarktes werden jedoch die vorhandenen Standorte im Stadtteil zumindest teilweise gefährdet. Derzeit gibt es folgende Lebensmitteleinkaufsmärkte:

  • Edeka-Markt neben dem Stadtarchiv, Elisabeth-Boer-Str/<wbr></wbr>Proschhübelstr./Königsbrücker Str.
  • Netto-Markt Johann-Meyer-Str/Ecke Erlenstr.
  • Netto-Markt Rudolf-Leonhardstr, zwischen Erlenstr. und Bischofsplatz
  • Lidl-Markt an der Hansastr. zwischen Conradstr. und Fritz-Reuter-Str.
  • Lidl-Markt im Bahnhof Dresden-Neustadt, Schlesischer Platz 1
  • Rewe-Markt, Königsbrücker Str. 64, zwischen Jordanstr. und Bischofsweg
  • Netto-Markt Kamenzer Str. 24 zwischen Schönfelder Str. und Sebnitzer Str.
  • Konsum-Markt in der Alaunstr. 21 zwischen Bautzner Strasse und Katharinenstrasse
    • Konsum-Markt in der Markthalle zwischen Hauptstrasse und Albertstrasse
  • Konsum-Markt am Waldschlößchen

Dieses relativ dezentrale Angebot zum Lebensmitteleinkauf wird durch einen zusätzlichen großen Lebensmittelmarkt gefährdet. Wenn ein einzelner, dezentraler Einkaufsmarkt durch die Konkurrenz einen Umsatzverlust erfährt, kann der Standort geschlossen werden.

Beispiel: Wenn z. B. ein Umsatzverlust von 20-30 % eintritt, gilt der einzelne Markt nicht mehr als rentabel, obwohl nur eine Minderheit der Kunden abgewandert ist und die Mehrheit der Kunden den Markt noch besucht.

Für die Wohnqualität in den einzelnen Stadtteilen sind kurze Wege zu Lebensmittelanbietern von großer Bedeutung. Das "Einkaufen um die Ecke" ist sowohl für Bäcker, Fleischer, Gemüsehändler und andere Kleingewerbeinhaber als auch für die grösseren, aber dezentralen Einkaufsmärkte von Bedeutung.

Wenn durch die Ansiedlung eines zusätzlichen, großen Einkaufsmarktes die Kundschaft und Kaufkraft teilweise von den vorhandenen Einkaufsmärkten abgezogen wird, wird dies zwangsläufig zur Schliessung von einigen gegenwärtigen Märkten führen. Die Folge sind längere Wege zum nächsten erreichbaren Einkaufsmarkt für die Stadtteilbewohner.

Es ist davon auszugehen, dass die Investoren nicht zusätzliche Kaufkraft stimulieren können, sondern "im Revier vorhandener Konkurrenten wildern" wollen. Ich finde es absolut blauäugig, wenn im Stadtplanungsamt und im Bauausschuss das Investoreninteresse ohne Rücksicht auf die vorhandenen Strukturen bewertet wird.

Zum Vergleich: Am Putjatinplatz in Kleinzschachwitz soll auch ein Kaufland-Markt eingerichtet werden, wogegen es lokalen Widerstand gibt. Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung meint das Stadtplanungsamt, es möge dann später die Konkurrenz entscheiden, welche Angebote von den Kunden angenommen werden. So gleichgültig darf aber Stadtplanung nicht sein !

Stadtplanung darf Prioritäten setzen, z. B. die fußgängerfreundliche Gestaltung der Königsbrücker Strasse mit zwei-spurigem Ausbau vorbereiten, damit der Einzelhandel gefördert wird.

Der gnadenlose Konkurrenzkampf der Investoren muss nicht gefördert werden.

Für den Standort Leipziger Str. 6 - am Alten Schlachthof - ist ein "Büro- und Geschäftszentrum" mit 10.000 Quadratmetern Einzelhandelsverkaufsflächen angekündigt. Auch für den Bahnhof Dresden-Neustadt gibt es langfristig Planungen zum Ausbau mit weiteren Einkaufsmöglichkeiten.

Nimmt man den Ortsamtsbereich im Überblick, so erscheint mir längerfristig eher noch der Ausbau von Einkaufsmöglichkeiten im Bahnhof Dresden-Neustadt sinnvoll, damit dieser Umsteigepunkt der öffentlichen Nahverkehrs eine zusätzliche Attraktivität gewinnt.

Mein Votum also: Die grünen Ortsbeiräte sollten sich ganz entschieden gegen die Ansiedlung eines grossen Einkaufsmarktes sowohl am Hochhaus am Albertplatz als auch auf dem Postgelände an der Königsbrücker Strasse aussprechen.

Der vorstehende Beitrag schildert die persönliche Meinung des Autors; das Abstimmungsverhalten der grünen Ortsbeiratsmitglieder in den zu erwartenden Ortsbeiratssitzungen ist offen.

NeustadtGRÜNE Ortsbeiräte: Überdimensionierter Einzelhandel passt nicht in die Neustadt- ob am DVB-Hochhaus oder auf dem Postgelände

18.4.2010 Die Neustadtgrünen Ortsbeiräte kritisieren das Wettrennen um die Genehmigung von Großmärkten in der Dresdner Neustadt:

„Für uns ist nicht entscheidend, welcher Investor sein Projekt am schnellsten mit der nettesten Fassade aufhübscht, sondern dass dahinter großflächiger Einzelhandel mit mehreren 1000 qm Verkaufsfläche geplant werden. Wir lehnen diese Zerstörung der gewachsenen kleinteiligen Strukturen in der Neustadt ab,“ erklärt Ortsbeirat Johannes Lichdi im Auftrag der neustadtgrünen Ortsbeiräte.  

Das Projekt am DVB-Hochhaus soll 7000 qm Einzelhandelsfläche und das konkurrierende auf dem Postgelände 6300 qm aufweisen.

„So wünschenswert die Rettung des DVB-Hochhauses und die Nutzung der Postkantine ist, darf diese doch nicht mit überdimensionierten Großmärkten erkauft werden“, fügt Lichdi an.

„Wir fordern zudem Herrn Nettekoven von der Florana auf, eine architektonisch qualitätsvolle Fassade bei seinem Projekt an der Bautzner Straße neben der „Hütte“ zu planen, die den Dimensionen der bestehenden Bebauung entspricht“, erklärt Lichdi abschließend.  

Die Neustadtgrünen Ortsbeiräte haben ein Fragenpapier (pdf) zum Projekt

DVB-Hochhaus an Frau Töberich veröffentlicht; siehe hier

Nach Auskunft der Sächsischen Zeitung sieht Nettekovens Studie für das Postgelände eine Bruttoladenfläche von rund 6300 Quadratmetern vor. Für ihr Hochhausprojekt sieht Töberich einen Einzelhandelsanteil von 7000 Quadratmetern vor, was vom Planungsamt als überdimensioniert kritisiert wurde. Sie möchte das Areal auch zu einem Treffpunkt für die Neustadt etwa mit Aufnahme der Bibliothek machen.

Hochhaus Albertplatz