Der Vorschlag von CDU und FDP, ein Denkmal an die Dresdner Toten des Februar 1945 in der Busmann-Kapelle zu platzieren, ist im demokratischen Sinne sicherlich diskutabel, enthält aber auch ganz klar eine politische Provokation. Immerhin geht es hier nicht allein darum, in welcher Weise eine Kirchgemeinde an Dresdner Bombenopfer erinnert, sondern um eine kommunalpolitische Initiative.
Gewollt ist hier die Rechristianisierung der öffentlichen Erinnerung, also die äußerst enge Verknüpfung zwischen dem religiösen Ausdruck der Trauer und der kommunalpolitischen Erinnerungskultur.
Offensichtlich steckt der CDU und der FDP noch das anti-sozialistische Ressentiment in den Knochen – anders kann der Vorschlag gar nicht verstanden werden, dass die Stadträtinnen und Stadträte – damit auch die nicht religiös gebundenen Mandatsträger – durch Teilverzicht auf Bezüge zur Finanzierung beitragen sollen.
Die Trennung von Kirche und Staat – entstanden als Grundprinzip unserer Gesellschaft in der Tradition der Aufklärung – soll hier bewusst und gezielt aufgehoben werden.
Auch das kann man als Missbrauch des Gedenkens der Dresdner Bombenopfer vom Februar 1945 interpretieren. Die Fähigkeit zu Trauern und geschichtliche Ereignisse würdig zu erinnern ist aber nicht an einer religiöse Grundhaltung gebunden – weder an die christliche noch an eine andere.
Eine gemeinsame, tolerante und integrierende kommunalpolitische Erinnerungskultur muss deshalb umfassender gestaltet sein. Kommunalpolitische Erinnerungskultur muss andere Orte des Erinnerns suchen – sei es der Altmarkt, seien es andere Orte – möglicherweise der Schloßplatz oder der Postplatz.
Ich bitte unsere grünen Stadträtinnen und Stadträte – insbesondere auch diejenigen mit Bekenntnis zum Christentum – sich für eine kommunalpolitische Erinnerungskultur einzusetzen, die nicht religiös gebunden ist, sondern erklärtermaßen die Integration verschiedener Weltanschauungen anstrebt.
Wenn allerdings CDU und FDP einseitig speziell die christlich-religiöse Form des Erinnerns in Dresden durchsetzen wollen, sollte auch die Diskussion über „Kirche im Nationalsozialismus“ neu angestoßen werden. Da gibt es interessante Beiträge im kürzlich erschienenen Buch „Braune Karrieren – Dresdner Täter und Akteure im Nationalsozialismus“.
Viele Grüße !
Michael Ton







