Michael Ton 25.09.2011
Die Innere Neustadt behutsam gestalten !
Ausdrücklich zu begrüßen ist die Gelegenheit zur Bürgerbeteiligung, welche die Stadtverwaltung in der Zeit bis 14.10.2011 unter dem Titel „Dresdner Debatte“ für die Stadtplanung zur Inneren Neustadt durchführt. Da dieser Stadtteil für die Stadtentwicklung von Dresden insgesamt bedeutsam ist, sollten auch Dresdnerinnen und Dresdner aus anderen Stadtteilen aktiv an dem Diskussionsprozess teilnehmen.
Das öffentlich dargestellte Planungskonzept erweckt allerdings den Eindruck, dass allein die bauliche Verdichtung des Stadtteils zum obersten Leitprinzip erhoben wurde. Mit großer Rücksichtslosigkeit werden einige Neubauten an Standorten geplant, die dort völlig fehl am Platz sind. Hier einige Beispiele:
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Die geplante Bebauung am Neustädter Markt beidseitig des Goldenen Reiters würde einen schwerwiegenden Eingriff in den offenen, begrünten und einladenden Charakter dieses Platzes bewirken.
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Die geplante Errichtung eines großen Gebäudes südöstlich der Markthalle an der Sarrasanistraße würde drastisch in die durchgehend offene Prägung der Albertstraße eingreifen.
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Die Bebauung östlich des Museums für Sächsische Volkskunst würde den Blick auf dieses historische Gebäude - den ehemaligen Jägerhof - weitgehend versperren.
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Die konzentrierte Bebauung nordwestlich der Einmündung der Köpckestraße in den Carolaplatz würde den durchgehenden Radverkehr auf der Sarrasanistraße zwischen Albertplatz und Carolaplatz behindern.
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Die zusätzliche Bebauung zwischen den Gebäuden östlich der Hauptstraße und westlich der Sarrasanistraße kann zu einem erheblichen Verlust der Wohnqualität der vorhandenen Gebäude führen.
Eine behutsame städtebauliche Weiterentwicklung der Inneren Neustadt ist zu befürworten. Die Dresdnerinnen und Dresdner sollten sich allerdings intensiv mit den Planungsvorschlägen befassen, um rechtzeitig Fehlentwicklungen vorzubeugen.
Zum Hintergrund:
Zwei historische Ereignisse haben die Innere Neustadt wesentlich geprägt: der Stadtbrand im damaligen Altendresden am 6. August 1685 und die Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945. Die Neuplanungen nach dem Stadtbrand von 1685 prägen das Bild dieses Stadtteils bis heute. Damals wie heute ist sorgfältig zwischen historisierenden Aspekten und modernen Anforderungen der Stadtplanung abzuwägen. Nach 1685 wie auch nach 1945 hat es Jahrzehnte gedauert, bis wieder ein halbwegs zusammenhängendes Bild eines Stadtteils mit eigenem Charakter entstanden ist. Deshalb besteht heute kein Anlass, mit einem vermeintlich „großen Wurf“ in erster Linie das Ziel der Bebauung unbebauter Flächen zu verfolgen. Damit wird nicht nur das offene und großzügige Stadtbild beeinträcht, sondern auch Stadtgrün vernichtet und Wohngebietsqualität verringert. Es gibt durchaus gelungene Beispiele für die Weiterentwicklung der Inneren Neustadt, z. B. der Bau des Hotels „Bülow Palais“ an der Dreikönigskirche mit einer baulichen Gestaltung nach historischen Vorbildern. Auch moderne Architektur hat in diesem Stadtteil Platz, wenn sie in Abstimmung mit dem vorhandenen Ortsbild entsteht. Schnellschussprojekte sind aber abzulehnen. Insofern ist die Vorstellung eines Gesamtkonzeptes durch die Stadtverwaltung erfreulich. Die Stadtplanung darf sich allerdings nicht allein dem Ziel unterordnen, zusätzliche vermietbare Immobilienflächen zu schaffen. Die Entwicklung des Stadtteils muss mit einer Wahrung seiner Lebensqualität einhergehen.

