Straßen oder Plätze im Stadtgebiet zurück zu benennen kann sinnvoll sein. Das kann man an der einen oder anderen Stelle in der Stadt an guten Beispielen sehen. Ob das aber im konkreten Fall zutrifft, ist zu bezweifeln.
Die Bürgerfraktion im Stadtrat ist derzeit mit dem Antrag unterwegs, mit dem die OB beauftragt werden soll, die Proschhübelstraße in Fabricestraße und der Nordfriedhof in Garnisionsfriedhof rückbenannt werden soll.
Begründet wird der Antrag, das damit einem Wunsch viele BürgerInnen nachgekommen wird.
Nach meiner Meinung wird hier an längst vergangene und in ihrer Wirkung bekannte militaristische Traditionen angeknüpft. Das dem im 19. Jahrhundert tätig gewesenem Kriegsminister Alfred von Fabrice mit der Sanierung seines Mausoleums an der Stauffenbergallee in der Albertstadt ausreichend Aufmerksamkeit gewidmet wurde sollte nicht zur Folge haben auch noch eine Straße nach ihm zu benennen. Herr Fabrice hat sich in seiner Zeit vor allem auch dadurch hervor getan, progressive fortschriftliche Menschen gnadenlos verfolgt zu haben. In der Zeit der Sozialistengesetze sicherlich kein Einzelfall, aber in unserer Zeit ein Grund ihm nicht mehr Würdigung als notwendig zukommen zu lassen.
Beim Nordfriedhof ist die Zeit auch nicht stehengeblieben. War er ursprünglich als reine Bestattungsstätte für Militärangehörige der Garnision angelegt, befinden sich mittlerweile auch Gräber von Fremd- und Zwangsarbeitern auf ihm. Seit vielen Jahren ist er ein städtischer und zivil genutzter Friedhof.
Manchmal sollte man die Geschichte Geschichte sein lassen und sich in der Gegenwart bewegen.
Torsten Schulze

