Kommentar
So ein Bild würde jeden verletzen
Sächsische Zeitung, Freitag, 9. April 2010
So ein Bild würde jeden verletzen
Denni Klein</small>
zum Streit um das Nacktbild von Helma Orosz
Politiker müssen sich viel gefallen lassen. Und das oft auch zu Recht. Aber diese Schmiererei geht zu weit. Helma Orosz hat völlig recht, dass sie sich davon verletzt fühlt. So eine Darstellung würde jeden verletzen. Niemand will so öffentlich und dank des Internets auf alle Zeit so verunglimpft werden.
Das Gericht muss nicht entscheiden, ob Kunst das darf. Das ist keine Kunst. Und Frau Lust ist keine Künstlerin. Sie drängt mit dieser persönlichen Beleidigung einer bekannten Person ins Rampenlicht nach dem Motto: Lieber schlechte Schlagzeilen als gar keine. Doch auch die Öffentlichkeit braucht diese Schmierereien nicht.
Das Gericht hat nun die Aufgabe zu bewerten, welchen Stellenwert der Schutz der Persönlichkeit hat. In erster Instanz wurde dieser höher bewertet als das Recht auf freie Kunst. Alles andere als eine Bestätigung dieser Ansicht würde unverschämten Verunglimpfungen von Menschen Tür und Tor öffnen.
Es gibt Stimmen, die sagen, erst die juristische Gegenwehr der Oberbürgermeisterin habe dem Bild diese Bekanntheit verschafft. Das mag sein. Aber Helma Orosz kann sich das nicht gefallen lassen. Nicht als Frau und nicht als Politikerin. Ihre Souveränität und Geradlinigkeit, mit der sie sich wehrt, ehrt sie. Es geht hier um mehr als nur verletzte Eitelkeit. Es geht um den Schutz der Würde des Menschen.